Ist Sporternährung gesund? – Die Mär von der gesunden Ernährung

Gesunde Sporternährung

Für ambitionierte Sportler ist eines klar: die Ernährung spielt eine sehr zentrale Rolle, wenn es darum geht, seine maximale Leistung abzurufen oder zu verbessern.

Zur sportspezifischen Ernährung gehören auch hochkonzentrierte Nährstoffe, Nährstofflösungen und spezielle Sportlerdrinks mit definierten Zusammensetzungen.
Nicht selten fragen sich Athleten und manchmal auch deren Angehörige, ob eine solche sportspezifische Ernährung (noch) „gesund“ ist. Was also ist der Unterschied zwischen „Sporternährung“ und „gesunder Ernährung“?

Gibt es überhaupt einen Unterschied?

Um dieser Frage nachzugehen, ist es zunächst erforderlich, sich den Thema „gesunde Ernährung“ zu widmen.

In einem ersten Schritt wäre zu fragen, was unter „gesunder Ernährung“ denn überhaupt zu verstehen ist.

Zweifelsohne wird jedem dazu etwas einfallen, im Sinne von „ich kann mir etwas darunter vorstellen“ bzw. „man weiß ja, was damit gemeint ist!“. Ist das denn wirklich so? Wenn es eigentlich klar ist, was mit gesunder Ernährung gemeint ist, dann müsste dieses Wortpaar auch einer kritischen Prüfung standhalten. Dies aber – und das sei bereits vorweg genommen – schafft es nicht. Rein logisch betrachtet muss es, wenn es „gesunde Ernährung“ gibt auch „kranke Ernährung“ geben. Was nun aber ist „kranke Ernährung“ als Gegensatz zur „gesunden Ernährung“? Bereits, dass etwas mit „gesunder Ernährung“ nicht stimmen kann.

Gehen wir einen Schritt weiter und fragen uns, was „Ernährung“ denn eigentlich ist.

Um es kurz zu fassen: „Ernährung“ ist ein Prozess, der die Interaktion zwischen Nahrung und dem Menschen (=biologisches System) beschreibt. „Gesund“ wiederum ist eine Eigenschaft eines biologischen Systems. Kurzum: „gesund“ oder „krank“ kann nur ein biologisches System sein, nicht aber ein Prozess. Ernährung kann also nicht „gesund“ oder „krank“ sein.
Das Ganze mag sich auf den ersten Blick nach Wortspielereien anhören, aber diese Wortspielerei ist entscheidend, um sich mit dem Thema „Ernährung“ sachgerecht und vernünftig auseinanderzusetzen. Außerdem ist diese Betrachtung sehr nützlich um Verwirrung in Verständnis aufzulösen.

Das geht wie folgt: Ein Ansatz dafür wäre es von „zielgerichtet“ zu sprechen. Der Prozess „Ernährung“ wird demnach beeinflusst, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Diese Beeinflussung erfolgt demnach durch die Auswahl der Lebensmittel.
Bei der bewussten Auswahl (z. B. Vollkornprodukte, Gemüse) geht es vielleicht in erster Linie um die Zielsetzung „Wohlbefinden“. Im anderen Fall geht es bewusst oder unbewusst um Genuss (z. B. Chips und Schokolade). Sportspezifische Ernährung zielt hingegen darauf ab, die sportliche Leistung zu optimieren. Dafür trainiert der Sportler viele Stunden, besorgt sich das entsprechende Equipment und richtet zum Teil auch seinen Tagesablauf danach aus.

Dabei kann es vorkommen, dass die Auswahl der Nahrung, zur Steuerung des Prozesses „Ernährung“, nicht den Empfehlungen für eine „gesunde Ernährung“ entsprechen.
Nehmen wir als praktisches Beispiel das Frühstück vor einem Marathonlauf. In der Praxis besteht dies häufig aus Weißbrot, Marmelade und vielleicht noch einem weichgekochten Ei. Warum Weißbrot? Warum Marmelade? Die Antwort ist einfach: es geht darum, dem Organismus vor der Belastung leicht verfügbare und gut verträgliche Energieträger zuzuführen. Aus praktischer Erfahrung wissen wir, dass das auch funktioniert und es handelt sich dabei um eine gezielte Beeinflussung des Prozesses „Ernährung“.

Fällt Ihnen etwas dabei auf?

Es geht an dieser Stelle in erster Linie nicht um „Gesundheit“ oder „Gesunderhaltung“, sondern ausschließlich um das Ziel und die Eignung dazu, das jeweilige Ziel zu erreichen.
Nun könnte man die berechtigte Frage stellen: Schließt es sich aus, dass zielgerichtete Ernährung auch der Gesundheit zuträglich sind? Auch dies lässt sich verneinen. Denn eine zielgerichtete Ernährungsweise steht einer Gesunderhaltung nicht im Weg. Ganz im Gegenteil. Schließlich ist es auch für Sportler ein angestrebtes Ziel, die Gesundheit aufrecht zu erhalten. Denn das ist die Basis für eine bestmögliche Leistungsfähigkeit.

Auch hier lässt sich noch einmal ein gutes Beispiel anbringen.

Ein vernünftig und individuell abgestimmter Isodrink wird vom Sportler während der Belastung mit dem Ziel getrunken, die Leistungsfähigkeit über einen langen Zeitraum aufrechtzuerhalten und zu steigern. Ganz „nebenbei“ trägt ein solcher Isodrink auch dazu bei, Krämpfe und gefährliche Dehydratation zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund trägt der Isodrink auch zum Erhalt der Gesundheit des Sportlers bei. Das primäre Ziel des Sportler ist dabei jedoch „Leistung“ und das Rüstwerk dafür ist der perfekt abgestimmte Isodrink.
Ob nun der Isodrink oder das Weißbrot mit Marmelade vor einem Wettkampf als „gesunde Ernährung“ bezeichnet wird oder nicht, kann dahin gestellt sein.

Zielgerichtete Sporternährung entspricht nicht immer den Empfehlungen für die allgemein bezeichnete „gesunde Ernährung“, die der Bevölkerung tagein und tagaus „um die Ohren gehauen“ werden.

Es konnte aber aufgezeigt werden, dass Sporternährung und Gesunderhaltung sich nicht ausschließen, sondern im Gegenteil: jede Maßnahme, die ein Sportler ergreift um den Prozess „Ernährung“ zu steuern, dient eben auch dazu die Gesundheit zu erhalten. Denn ohne Gesundheit lässt sich auch keine optimale Leistung abrufen.