,

Isodrinks mit Aminosäuren, BCCA während der Belastung? Was ist dran an dem Hype?

Isodrinks mit Aminosäuren

Es ist hinreichend bekannt und wissenschaftlich gesichert, dass ein vernünftig konzipierter Isodrink die Ausdauerleistungsfähigkeit positiv beeinflusst. Und nicht nur das: solche Drinks schützen auch vor Krämpfen und gefährlicher Dehydrierung.

Richtig konzipiert bedeutet dabei vereinfacht, dass die optimale Menge und das optimale Verhältnis von Flüssigkeit, Kohlenhydrate und Elektrolyte während der Belastung aufgenommen wird.

Seit jüngerer Vergangenheit hört man immer wieder, dass diese Drinks durch die Zugabe von Protein oder bestimmten Aminosäuren (vor allem BCAA*) verbessert werden können. Diese Zugaben sollen – schenkt man der Werbung dafür Glauben – Ermüdungsprozesse aufhalten und die Regeneration nach der Belastung verbessern. Manche gehen sogar soweit zu behaupten, dass ein Isodrink ohne Aminosäuren unwirksam ist.

Was also ist dran an dem Hype um Aminosäuren im Isodrink während der Belastung?

Bevor wir auf die Frage näher eingehen, ist es zunächst aus unserer Sicht notwendig, einen Blick auf die Praxis von Ernährungsmaßnahmen während der Belastung zu werfen und dabei insbesondere auf die tatsächlich leistungslimitierenden Faktoren einzugehen.

Der erste Faktor der hier ins Spiel kommt ist, die gesamte Trinkmenge während des Trainings/ Wettkampfes. Die meisten Athleten nehmen schlichtweg zu wenig Flüssigkeit auf. Sie gleichen den Verlust an Flüssigkeit (z. B. durch Schwitzen) also nicht annähernd aus. Dies hat nicht nur einen negativen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit, sondern kann bei sehr langen Belastungen (z. B. Marathonlauf) zu gesundheitlichen Problem führen.

Der zweite limitierende Faktor betrifft die Art der Flüssigkeit, welche aufgenommen wird. Viele Athleten setzen auf Isodrinks „von der Stange“. Diese enthalten nur selten eine individuell passende Zusammensetzung. Mit solchen Drinks erfolgt in den meisten Fällen also eine reine Schadensbegrenzung. Sie enthalten billige und schlecht verdauliche Kohlenhydrate und oft zu wenig Elektrolyte (insbesondere Natrium).

Aus praktischer Hinsicht – und wohl nur darum wird es für die Ausdauerathleten gehen – sollte zuallererst analysiert werden, ob die Trinkmenge während der Belastung den Flüssigkeitsverlusten entspricht. In einem zweiten Schritt gilt es dann zu hinterfragen, ob die „Basics“ des Isodrink stimmen: enthält er die richtigen Kohlenhydrate und die optimalen Mengen? Entspricht der Elektrolytgehalt den individuellen Bedürfnissen etc.?

Sind diese Punkte geklärt, dann könnte die Frage gestellt werden, ob dem Isodrink ggf. auch Protein oder BCAA zugesetzt werden sollten, um die Leistung und/ oder Regeneration zu verbessern.
Hierauf ist wie folgt zu antworten und zwar aus zwei verschiedenen Blickwinkeln: 1. wissenschaftlich und 2. praktisch.

Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich die Thematik wie folgt und vereinfacht darstellen. Es wurde immer wieder und mithilfe von vielen Studien versucht, aufzuzeigen, dass Protein und/ oder BCAA als Bestandteil eines Isodrinks während der Belastung einen Nutzen für Ausdauerathleten darstellt. Ein Nachweis dafür ist nie gelungen. Vor allem konnte nie aufgezeigt werden, dass ein Athlet von der zusätzlichen Aufnahme von BCAA oder Protein zu einem gut konzipierten Isodrink einen Vorteil erzielen kann.

Aus praktischer Sicht lässt ist sogar gänzlich auf Aminosäuren im Isodrink zu verzichten und zwar aus folgenden Gründen: Die Beimischung von Aminosäuren wie BCAA zu einem Isodrink verändert den Geschmack des Drinks erheblich und zwar ins Negative. Dies deshalb da Aminosäuren meist einen fürchterlichen Geschmack aufweisen, der sich selten überdecken lässt. Dies hat zur Folge – und da wären wir wieder bei den oben aufgeführten leistungslimitierenden Faktoren – dass die Trinkmenge intuitiv verringert wird. Welcher Athlet möchte sich schon beim Kampf gegen den Leistungseinbruch den zusätzlichen Kampf des Herunterwürgens eines Getränks geben.

Im Ergebnis lässt sich also festhalten, dass die Zugabe von Protein und/ oder Aminosäuren wie BCAA zu einem Isodrink während er Belastung keinen Vorteil für den Athleten bietet.
Einen echten Vorteil kann sich der Athlet verschaffen, indem er dafür sorgt, dass Flüssigkeits- und Elektrolytverlust adäquat ausgeglichen werden. Dafür ist es notwendig, die notwendige Trinkmenge zu ermitteln und ein optimalen Isodrink auszuwählen.

 

*BCAA = branched chain amino acids; es handelt sich dabei um die drei essentiellen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin. Wie andere Aminosäuren auch, sind diese 3 Aminosäuren natürlicher Bestandteil von Proteinen und kommen natürlicherweise in der Nahrung vor. Bei einer ganz normalen, also nicht sportspezifischen Mischkost werden bereits etwa 5000 mg BCAA aufgenommen.